Mediennutzung im frühen Kindesalter
20.10.2025 Stellungnahme der Landeskoordination Rehabilitation und Teilhabe - Kinder und Jugendliche Mediennutzung im frühen Kindesalter – Chancen erkennen, Verantwortung übernehmen
Die Digitalisierung prägt unseren Alltag in nahezu allen Lebensbereichen. Spätestens seit der Corona- Pandemie hat sich gezeigt, wie selbstverständlich Kommunikation, Lernen und Freizeitgestaltung im digitalen Raum stattfinden. Diese Entwicklung betrifft nicht nur Jugendliche und Erwachsene – sie beginnt längst im frühen Kindesalter. Damit rücken Fragen nach den Bedingungen eines gesunden Aufwachsens in einer zunehmend digitalisierten Welt in den Fokus. Kinder im Alter von null bis sieben Jahren benötigen in ihrer Entwicklung vor allem sichere Beziehungen, verlässliche Bindungen und anregende Erfahrungen in der realen Welt. Erst daraus erwächst die Fähigkeit, Medien sinnvoll und selbstbestimmt zu nutzen. Wenn digitale Geräte jedoch früh und unreflektiert eingesetzt werden, kann dies zu suchtähnlichem Verhalten, Aufmerksamkeitsproblemen oder Beeinträchtigungen sozialer Fähigkeiten führen. Studien und Beobachtungen aus der Praxis zeigen: Kinder aus Familien mit geringer Medienkompetenz sind hier besonders gefährdet.
Die Landeskoordination für Rehabilitation und Teilhabe - Kinder und Jugendliche betont deshalb, dass die Förderung von Medienkompetenz nicht bei den Kindern beginnt, sondern bei den Eltern und anderen Bezugspersonen. Eine gezielte Aufklärung, Begleitung und Stärkung der Familien ist wesentlicher Bestandteil jeder präventiven Arbeit: Die Arbeit mit Kindern ist immer auch Arbeit mit den Eltern.
Bereits im Sommer 2024 diskutierten Fachkräfte aus Medizin, Pädagogik und Sozialarbeit auf dem Fachtag der Landeskoordination „Was Kinder heute brauchen - Bedingungen des Lernens und der persönlichen Entwicklung 0–7-jähriger Kinder im digitalen Zeitalter“ die Chancen und Risiken der frühen Mediennutzung. Deutlich wurde: Digitale Medien können Entwicklungsprozesse sinnvoll unterstützen – etwa durch barrierefreie Lernangebote, therapeutische Anwendungen oder kreative Ausdrucksformen. Voraussetzung ist jedoch ein bewusster, strukturierter und kindgerechter Einsatz, der pädagogisch begleitet wird.
Die Landeskoordination unterstreicht daher die Verantwortung aller Akteurinnen und Akteure im Bereich der Rehabilitation und Teilhabe, Kinder und Familien auf diesem Weg kompetent zu begleiten. In einer digital geprägten Gesellschaft ist es unerlässlich, innovative und zugleich kindgerechte Ansätze zu entwickeln, die Bindung, Beziehung und reale Erfahrung in den Mittelpunkt stellen.
Digitale Teilhabe darf nicht ausschließen, sondern muss allen Kindern – unabhängig von Herkunft, Behinderung oder sozialem Hintergrund – offenstehen. Dafür braucht es inklusive, barrierefreie und altersgerechte Angebote sowie eine enge Zusammenarbeit von Fachkräften, Kindertageseinrichtungen und Familien.
Nur so kann es gelingen, dass Digitalisierung kein Risiko, sondern eine Ressource für die gesunde Entwicklung von Kindern wird.
Kontakt:
Jason Holinski, Landeskoordination Rehabilitation und Teilhabe – Kinder und Jugendliche
Ruhrstraße 12 A, 10709 Berlin
E-Mail: jason.holinski@vdk.de, Telefon: 030 / 20 99 43-00
www.lako.berlin
